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Geschichte der Stadtteile Rheinsheim und Huttenheim


von Ekkehard Zimmermann



Rheinsheim

 

Das beeindruckende Hauptportal an der neugotischen Kirche "St. Vitus", dem Dom von Rheinsheim (1894-1900)Der im Lorscher Schenkungsbuch im Jahre 784 genannte Ort Reginesheim muss schon in frühgeschichtlicher Zeit besiedelt gewesen sein. Dies belegen Funde auf der Gemarkung aus der Jungsteinzeit und Bronzezeit. Zwei Hausaltäre römischen Ursprungs wurden ebenso gefunden wie auch fränkische Reihengräber mit Grabbeigaben (Schmuck, Waffen und Münzen). Es ist also ein sehr alter Wohnplatz direkt am Rhein. Ab dem 12. Jahrhundert ist der Ort schicksalhaft mit Udenheim/Philippsburg verbunden. Während bis zum Jahre 1615 die Nähe zur fürstbischöflichen Residenz Udenheim gewisse Vorteile durch Privilegien vorhanden waren, kam durch die Soldateska der Festungszeit sehr viel Leid und Elend über die Bevölkerung. Nahezu zwei Jahrhunderte hindurch machten die vielen Kriege, Belagerungen und Besatzungszeiten eine normale Entwicklung des Gemeinwesens unmöglich. Erst nach der Auflösung des Hochstiftes und durch den Übergang des Amtes Philippsburg an Baden traten geordnetere Verhältnisse ein. Natürlich machten auch hier die vielen Hochwasserkatastrophen den Einwohnern schwer zu schaffen; so lag z.B. im Jahre 1764 die gesamte Gemarkung unter Wasser und nach einem Dammbruch 1876 bei der Kolonnenstraße geriet das Dorf in eine ähnlich verheerende Situation. Schon anno 1191 wird eine Fähre über den Rhein urkundlich erwähnt. Dieser Betrieb muss auf jeden Fall recht lukrativ gewesen sein, denn es gab deshalb diverse Streitigkeiten zwischen dem Kloster Eußertal und dem Speyerer St. Germanstift wegen der Überfahrtsgebühren. Nach der Rheinkorrektur (nach den Plänen von Tulla 1826/27) geriet ein bedeutender Gemarkungsteil (Insel Grün) auf die linksrheinische Seite, sodass die Fähre noch bis 1960 existierte. Fast an der gleichen Stelle erfolgte am 31. März 1945 auch der Rheinübergang der 1. französischen Armee am Ende des 2. Weltkrieges. Viele Häuser und der erst zwischen 1894-und 1900 erbaute neugotische Turm des “Doms” wurden damals zerstört und nach vielen jahrelangen Mühen wieder aufgebaut. Eine gute Infrastruktur und viele Neubaugebiete zeigen heute eine positive Entwicklung auf. Die Eingemeindung in die Stadt Philippsburg erfolgte im Rahmen der Verwaltungsreform am 1. Januar 1975. Die frühere Lebensgrundlage der Bevölkerung zeigt das historische Ortswappen mit Anker und Fischen (Schifffahrt und Fischerei).



 

Huttenheim

 

Das Denkmal in der Ortsmitte von Huttenheim erinnert an den Namensgeber Fürstbischof Franz-Christoph von HuttenDer am 1. Januar 1973 eingemeindete Stadtteil Huttenheim geht auf das ehemalige Dorf Knaudenheim zurück, das im Jahre 1758 wegen der Zerstörung durch Hochwasser aufgegeben werden musste. Die Verlegung erfolgte auf das sichere Hochgestade und “Neu-Knaudenheim” gab sich den Namen Huttenheim. Dies geschah aus Dankbarkeit gegenüber dem damaligen Fürstbischof Franz Christoph von Hutten, der die Neuansiedlung mit allen zu Gebote stehenden Mitteln unterstützt hatte. 

Die fränkische Siedlung Knaudenheim wird erstmalig im Jahre 1220 urkundlich erwähnt. In der Folgezeit ist der Ort unmittelbar mit Udenheim (dem heutigen Philippsburg) verbunden. Die Herrschaftsverhältnisse waren die gleichen. Als die Bischöfe von Speyer das Dorf anno 1316 erwarben, wurden die bisherigen Privilegien der früheren adeligen Besitzer übernommen. In der Festungszeit hatten die Knaudenheimer ebenso unter den vielen Belagerungen, Einquartierungen und Kämpfen zu leiden. Hinzu kamen immer wieder Heimsuchungen durch Überschwemmungen und auch Seuchen, so dass von einer kontinuierlichen Entwicklung des Gemeinwesens nicht die Rede sein kann. Aus Beschreibungen und Darstellungen auf zeitgenössischen Karten geht hervor, dass es sich für die damaligen Verhältnisse um eine größere Ortschaft gehandelt haben muss. Als der Rheindamm 1758 gebrochen war und wieder einmal die Siedlung wochenlang unter Wasser stand, konnte nur noch ein Neuanfang helfen. Das Straßendorf wurde im T-Form mit breiten Straßen und ausreichend großen Grundstücken angelegt. Die barocke Kirche konnte bereits 1762 eingeweiht werden. Rathaus und Schule folgten 1773. Als Baumaterial fanden Teile des alten Ortes wieder Verwendung (z.B. “Grüner Baum”). Auch nach der Umsiedlung waren lange Zeit Landwirtschaft und Fischfang die Erwerbsgrundlagen. Kleinere Betriebe siedelten sich nach dem 2. Weltkrieg an, doch müssen immer noch ca. 60% der Arbeitsplätze auswärts aufgesucht werden. Seit 1968 besteht eine Partnerschaft mit der französischen Gemeinde Le Gua an der Girondemündung.