“Aufsteigende Vögel“, von Fritz Melis Heimatstadt Philippsburg im Jahre 1977 “Des Ding kann ma a’gugge“, so begann eine aktuelle Berichterstattung in Philippsburger Mundart des Redakteurs Horst Tirolf über das Denkmal. Der Ausspruch bedeutet sinngemäß auch “höchstes Lob“. Er wollte damit in urwüchsiger Sprache zum Ausdruck bringen, dass das Denkmal den Philippsburgern imponierte und sie bewundernd dastanden, als der Schwerlastkran das Edelstahlmonument am Haken hatte und es auf den Sockel setzte. Das “Ding“ hatte immerhin ein Gewicht von 2,5 Tonnen und ist 5 Meter breit und 6 Meter hoch. Geschaffen wurde es von einem der bedeutendsten Bildhauer Deutschlands.
Senator Dr. Franz Burda, der am 24.02.1977 seinen 74. Geburtstag gefeiert hatte, er befand sich also damals im 75. Lebensjahr, wollte seiner Heimatstadt etwas Schenken, das sich besonders an die Jugend wenden sollte. Der sorgfältig ausgesuchte Standort vor den Schulzentren ist auch der ideale Platz dafür. Symbolisch soll der Jugend aufgezeigt werden, dass die aufsteigenden Vögel (Kraniche) ein Aufbruch für ein Streben nach erreichbaren Zielen verkörpern. Das Material (polierter Edelstahl), das der Auftraggeber mit dem Künstler hierfür auswählte, soll die Klarheit der bildnerischen abstrakten Form noch verstärken. Man erkennt intuitiv die Aussage, die der Künstler mit diesem Werk treffen will – Alle sind bereit, Aufbruch und Emporstreben zu neuen Zielen. Die Wahl der Grundform des Monuments (Pyramide) verstärkt noch den Eindruck des Aufbruchs. “Man entdeckt die Klarheit einer Konzeption in der vereinfachten Form, resultierend aus einer ausgezeichneten Beobachtungsgabe des Künstlers für die Vogel- und Tierwelt“ (Tirolf). Das Monument könnte aber auch für den Auftraggeber stehen, denn sein Leben war bestimmt für “Aufbruch und neue Ziele zu erreichen, die er sich gesetzt hatte“. Die Stadt Philippsburg und ihre Bürger bedanken sich für dieses großartige Geschenk. Im Jahre 2007 wird das Werk von Fritz Mehlis “Aufsteigende Vögel“ 30 Jahre alt.
Ab 1950 unterrichtete er an der Technischen Hochschule in Stuttgart freies Zeichnen für Architekten. Er beschäftigte sich mit Fragen der Geometrie und Tektonik. Angeregt durch die Auseinandersetzung mit der Kunst des Kubismus, wurden die Formen seiner Plastiken kantiger und geometrischer. Durch den ständigen Kontakt mit den Architekten verschob sich der Arbeitsschwerpunkt immer stärker in Richtung der Bauplastik. Seit den fünfziger Jahren war Fritz Melis ein in Architektenkreisen hoch geschätzter und vielbeschäftigter Bildhauer für die Kunst am Bau. Vor allem seine in Bronze gegossenen Vogelgruppen und später seine stark abstrahierende Vogelschwärme wurden schließlich zu seinem Markenzeichen.
In Philippsburg steht seit 1977 eine solche Plastik eines aufsteigenden Vogelschwarmes aus Edelstahl. “Vielleicht gehört er, als einer der ersten und wenigen, zu einer neuen Avantgarde, die berufen ist, der Kunst unserer Zeit ein neues Gesicht zu geben“, so zitierte Horst Tirolf den Künstler bei der Einweihung in Philippsburg.
Sein Atelier mit Ausstellungsgarten richtete er sich 1958 in Bietigheim-Metterzimmern ein. Tatkräftig wurde er von seiner Frau Katharina unterstützt, die ebenfalls ein Kunststudium absolviert hatte. Der große Garten bei seinem Atelier bietet zugleich einen großzügigen Rahmen, um seine Werke präsentieren zu können. Senator Dr. Franz Burda kannte den Künstler schon lange und gab bei ihm einige Werke in Auftrag.
In einer Broschüre von Wolfgang Pfleiderer kann man entnehmen, welch großartige Werke der Künstler gestaltet hatte. “Die Spannung zwischen Abstraktion und Naturwahrheit, die wohl das zentrale Moment in Mehlis’ Kunst ist, wiederholt sich in der Komposition. Gerade das Nebeneinander oder Ineinander von Abstraktion und Naturwahrheit wird künstlerisch fruchtbar“. Am 17. Januar 1982 verstarb Fritz Melis in Bietigheim-Bissigen. Aus Anlass des 90. Geburtstages fand im Jahre 2003 eine große Ausstellung in der Städtischen Galerie von Bietigheim-Bissingen über das Schaffen des Künstlers statt.
Seine Werke (nur ein kleiner Teil seines Schaffens)
Text: Geza Milvich |
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