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Das "Krieger- und Salmdenkmal" vom Jahre 1899


Über das Denkmal
 
 

Das Land Baden-Württemberg hat das “Fragment“ des Denkmals, als Kulturdenkmal nach §2 des Denkmalschutz-Gesetz eingestuft. Es stellt ein kunst- und kulturhistorisch wichtiges Relikt aus der Kaiserzeit (um 1900) dar. Das Denkmal galt als eines der künstlerisch ausdruckvollsten Kriegerdenkmale seinerzeit in Baden. Die bewegte und leidvolle Vergangenheit des Denkmals, soll stets alle Mitbürger an die politischen Verstrickungen und ihren Auswirkungen erinnern.

 

Mit dem “Kugeldenkmal von 1846, das an das große Bombardement und die Zerstörung der Stadt im Jahre 1799 durch die französischen Revolutionstruppen erinnert, wurden der zerstörten Stadt und seiner in Not geratenen Bewohner gedacht. An den letzten Festungskommandanten der Reichsfestung Philippsburg, dem Rheingrafen Feldmarschall-Leutnant Karl-August von Salm-Grumbach, erinnerte nur sein Grabmal auf dem Friedhof und das wurde von einem französischen General errichtet. Die Philippsburger wollten mit dem besonderen Gedenken an den Rheingrafen, zum Ausdruck bringen, dass sein uneigennütziges Handeln es erst möglich machte, die Stadt unmittelbar nach der Zerstörung wieder aufzubauen. Somit erinnern die “Salmpyramide“ aus dem Jahr 1800, dem “Kugeldenkmal“ von 1846 und dem “Krieger- und Salmdenkmal“ von 1899 an das Ende der Reichsfestung Philippsburg und an das schwere Los seiner Bewohner.“Von Stein und Erz errichtete die Stadt Philippsburg ihren Helden von 1799 und 1870/71 ein herrliches Denkmal“, so hieß es in der Eröffnungsrede im Jahre 1899. Das einst so großartige Monument wurde im Herzen der Stadt, auf dem Platz des heutigen “Adlerdenkmal“, errichtet und hat eine leidvolle Zeit hinter sich. Heute steht das Denkmal in der Nähe der Einsegnungshalle auf dem Philippsburger Friedhof. Das Mahnmal erinnert an drei Ereignissen, die eng mit der Stadt und ihren Bürgern verbunden sind:

  • Als Erinnerung an die gefallenen Soldaten des Krieges von 1870/71
  • An den Festungskommandanten der Reichsfestung Philippsburg, des Rheingrafen Feldmarschall-Leutnant   Karl-August von Salm-Grumbach
  • Anlässlich der 100. Wiederkehr der Zerstörung der Stadt Philippsburg                                                                                                   

Es wurde in einem Jahrzehnt errichtet, als in Deutschland das nationale Bewusstsein und der  Patriotismus das politische Denken und Handeln bestimmte. Bezeichnend war z.B. als bei der Einweihung des Denkmals der Philippsburger Bürgermeister Karl Reiß ausrief: “Allezeit, treu und bereit – für des Reiches Herrlichkeit“ Für den Kaiser lautete der Eid: “Mit Gott für Fürst und Vaterland, Kaiser und Reich“. Den heimgegangenen Helden (Gefallenen Soldaten) wurde feierlich gelobt: “Was wir errungen mit dem Schwert, das halten wir im Frieden hoch und Wert“ In der Festschrift finden sich noch ähnlich viele Formulierungen unter dem Einfluss von hochpatriotischen und nationalen Gefühlen. Die überschwenglichen Reden, die in diesen Tagen gehalten wurden, endeten immer wieder in Hoch-Rufen auf den Großherzog bzw. Kaiser und das Reich. Damals glaubte man noch, dass mit einem neuen Deutschen Kaiserreich unter der Führung von Preußen eine glückliche Zeit begann und hoffte zugleich, dass die Zeit der Kriege vorüber war.

 

Aber nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 es sollte noch viel schlimmer kommen. Der erste und vor allem zweite Weltkrieg hatte alles an Vernichtung und Zerstörung übertroffen, was bisher da gewesen war. Es gab viele Millionen Tote, zerstörte Städte und viele Menschen wurden aus ihrer angestammten Heimat vertrieben.

 

Nach Beendigung des 2. Weltkrieges änderten sich die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse in Deutschland grundlegend. Durch die Aussöhnung der Völker wurden aus verfeindeten Nationen im laufe der Zeit Staaten, die in Freundschaft zusammenleben können. Die Interessen und Wertvorstellungen der Völker Europas sind heute weitgehend identisch. Die Garanten dafür sind Frieden und Sicherheit, Demokratie und Gerechtigkeit, wirtschaftlicher Wohlstand und Fortschritt. Unsere Zukunft liegt in einem einheitlichen Europa. Eine im Jahr 1999 angebrachte Gedenktafel soll  an die  wechselhafte Vergangenheit des Mahnmals, mit all seiner Geschichte, daran erinnern.

 

Planung und Ausführung

Der Bildhauer Christian Elsässer, geboren: 1881 in Bauschlott / Baden, gestorben: 1922 in Illenau / BadenDer Denkmalsausschuss der Stadt Philippsburg trat im Jahr 1895 zusammen und beschloss, ein Denkmal für die zurückliegenden epochalen Ereignisse zu errichten. In einem Aufruf an alle Bürger der Stadt wurden Spenden gesammelt, um die Finanzierung des Vorhabens zu sichern. “Kleine und große Gaben sind willkommen“, so heißt es in einem Aufruf an die Mitbürger seiner Zeit.

 

Das ca. sieben Meter hohe Denkmal wurde vom Karlsruher Bildhauer Christian Elsässer entworfen und geschaffen. Der  mehrteilige Korpus, mit quadratischem Grundriss,  bestand aus einem großen Sockel, dem Unterteil, der unteren Konsole, einem gestreckten Mittelteil, der oberen Konsole und einem abgestuften Oberteil. Als Material wurde der heimische graue Odenwälder Granit gewählt. An den polierten Außenflächen der Mittelsäule und des Unterteils wurden die Bronzereliefs und Erinnerungstexte angebracht, die nur zum Teil noch vorhanden sind.

 

Die bronzene Wappentafel der alten Reichsfestung Philippsburg war zwischen der Mittelsäule und dem Unterteil montiert.  Die Reliefs von Kaiser Wilhelm I. und Großherzog Friedrich von Baden waren auf je einer Seite der Mittelsäule angebracht, auf den beiden anderen Seiten  befanden sich die Inschriften. Als oberen Abschluss setzte man dem Denkmal die alles überragende, vergoldete Kaiserkrone auf. Der  Korpus stand auf einem  Sockel mit einem großen. halbrunden Vorbau Auf ihm befand sich in  fast natürlicher Größe eine ausdrucksvolle Bronzeplastik. Einem Soldaten, der hocherhobenen Hauptes seinen Helm siegesfroh schwenkt und vor einer zerschossenen eroberten Kanone steht. Um das Denkmal befand sich eine großzügige Einfriedung mit vier Eckpfeilern aus Stein mit einem stilistisches abgestimmtes schmiedeeisernes Gitter. Die Anlage wurde im Herzen der Stadt errichtet und das Denkmal entsprach dem patriotischen Empfinden der wilhelminischen Epoche um die Jahrhundertwende.

 

Alle Bronzeteile wurden bei der renommierten Bronzegießerei “Paul Stotz“, Stuttgart, angefertigt. Paul Stotz leitete ab 1876 die neu gegründete kunstgewerbliche Abteilung  der Bronce-Waaren-Fabrik. Dort wurden berühmte Figuren und Monumente für alle Welt hergestellt. Es ist umso bedauerlicher, dass die großen Teile des Denkmals nicht mehr vorhanden sind.

 

Drei Teile haben die Zeit überlebt, sie sollten allerdings sorgfältig restauriert werden, da eine unsachgemäße Befestigung starke Korrosionsschäden an der Bronze verursacht hat. Durch ihre Geschichte gelten die Fragmente in vielerlei Hinsicht als wertvolle Indizien der Zeitgeschichte.

 

Zum Gedenken an die gefallenen Soldaten vom Krieg 1870/71

Der Deutsch-Französische Krieg (hatte viele Opfer gekostet. Der Sieger, in diesem Fall das Deutsche Reich, kostete seinen Triumph aus. Der 18. Januar 1871 war ein solches Ereignis, es war den Bürgern von damals noch in guter Erinnerung, als im Spiegelsaal zu Versailles, die Deutschen Fürsten dem neuen Deutschen Kaiser zujubelten, voran der Großherzog Friedrich von Baden (Kaiserproklamation Wilhelms I. in Versailles). In dem von Frankreichs König Ludwig IVX erbauten Schloss wurde das neue Deutsche Reich mit dem Sieggekrönten Kaiser Wilhelm I “Wiederaufgerichtet“.

 

Für das Vaterland und Reich mussten ließen 102 junge Männer aus Philippsburg ihr Leben lassen, davon sind 71 Soldaten “im Feindesland“, auf den französischen Schlachtfeldern getötet worden und ruhen hier in heimatlicher Erde. “Im Garnisonsdienst“, was man darunter auch verstehen mag, kamen 31 Soldaten ums Leben. Die beiden  Bronzetafeln, die namentlich die Gefallenen und Verstorbenen aufführen, wurden im Sockelbereich angebracht. Die Tafeln befinden sich heute noch am gleichen Platz. An den oberen Teilflächen der Mittelsäule wurden die Namen der wichtigsten Kriegsschauplätze, des Frankreichfeldzuges von 1870/71, in den Stein gemeißelt.

 

Der Text, für die gefallenen Soldaten, auf der Mittelsäule lautet:

 
   
Den dankbaren Kriegern von
1870 - 1871
Die dankbare Stadt Philippsburg

  

 
 
Zwei bronzerne Gedenktafeln: Sie erinnern an die Opfer des Krieges 1870/71

Erinnerung an den Rheingrafen Feldmarschall-Leutnant Karl-August von Salm-Grumbach

An den Kommandanten der Festung Philippsburg, der die Verteidigung gegen die französischen Revolutionstruppen im Jahr 1799 leitete und im Jahr 1800 gestorben war, erinnert auf dem Friedhof nur das Grabmal des Rheingrafen in Form einer Pyramide. Man bedauerte es, dass die überlieferte Grabinschrift noch nicht ausgeführt wurde, unternahm aber auch nichts Weiteres, um Abhilfe zu schaffen, so kann man es in der Festschrift nachlesen. Es sollten weitere 100 Jahre vergehen, bis die Grabinschrift im Jahr 2007 verwirklicht wurde. Zum Gedenken an den Rheingrafen wurde folgende Inschrift an einer Seite der Mittelsäule ausgeführt:


 
   
   
Dem Commandanten und
heldenmütigen Verteidiger
von 1799 dem großen
Wohltäter und edlen Menschenfreunde Marschall-Leutnant Rheingraf
Karl-August von
Salm-Grumbach in
dankbarer Erinnerung
gewidmet
100-jährige Erinnerung an die Zerstörung der Stadt Philippsburg

Bronzerelief mit Reiter und Soldaten im Vordergrund, dahinter die Festung PhilippsburgZur Erinnerung an die vielen Belagerungen und an die Zerstörung im Jahr 1799 von Philippsburg, weist ein Bronzerelief im Unterteil hin. Als Vorlage diente eine historische Abbildung der Festung Philippsburg. Im Vordergrund spähen zwei feindliche Kundschafter und ein Reiter mit Pferd das Vorfeld der Festung aus. Im Hintergrund erkennt man die Philippsburger Festung mit den Bastionen, Gräben und Wällen, den herausragenden Türmen vom Schloss,  der Kirche und dem Roten- und Weißen Tor.


Die Festtage zur Einweihung des Denkmals

Die Denkmalsfeierlichkeiten fanden vom 10. bis zum 12. Juni 1899 unter großer Beteiligung der Bevölkerung statt. Tausende von Zuschauern waren gekommen, um das große patriotische Ereignis zu feiern. Zur besonderen festlichen Ausschmückung der Stadt zählte das vom Hauptlehrer Wiese geschaffene “Rote Tor“, eine gelungene Attrappe in der Roten-Tor-Straße, durch die auch der badische Großherzog mit der Kutsche gefahren war. Es nahmen folgende Gruppen und hohe Persönlichkeiten an den Feierlichkeiten teil:

 

Die örtliche Schuljugend, örtliche und außerörtliche Vereine mit über 3.000 Teilnehmern, kirchliche- und städtische Amtsträger, Abordnungen von militärischen Regimentern mit über 200 Pferden, die Ehrenjungfrauen und Festredner, die Nachfahren aus dem Hause des Rheingrafen Sr. Durchlaucht Fürst Otto und Prinz Eduard von Salm-Horstmar und letztlich Sr. Kgl. Hoheit der Großherzog Friedrich von Baden.

 

Der 11. Juni war der große Festtag. An diesen Tag waren die Nachfahren des Rheingrafen und der Großherzog angereist, um das Denkmal einzuweihen. Es wird berichtet, dass im festlich geschmückten Philippsburg am ersten Tag das Fest mit Glockengeläute, Böllerschießen und Festgottesdienst und einem großen Festbankett auf der Promenade begann. Der “Arbeiterbildungsverein“ trug ein neu einstudiertes Lied “Der Rekrut auf Philippsburg“ vor. Auf dem Friedhof wurden mit Kranzniederlegungen und Reden der Verstorbenen gedacht, denen zu Ehren das Denkmal gewidmet worden ist - den Gefallenen des Krieges 1870/71 und dem Rheingrafen Karl-August von Salm-Grumbach. Man suchte auch noch das Grab von Hieronymus Nopp auf, um dem großen Sohn der Stadt zu Gedenken. Danach versäumte man es nicht, auf dem Salmbuckel, ehemals die St. Trinitas-Bastion, an der Stelle zu gedenken, an dem der Rheingraf zur ersten Ruhe gebettet wurde. Am Abend gab es ein großes Feuerwerk.

 

Als der Großherzog seine Rede hielt, war der Andrang unglaublich groß. Es hatten sich so viele Menschen eingefunden, dass die Ansprache bei den patriotisch gestimmten Bürgern vor lauter Lärm unter zu gehen drohte. Das Denkmal wurde unter Hoch-, Hoch- Rufen, auf Kaiser und Großherzog und dem Abspielen eines patriotischen Liedes von der Musikkapelle, durch das Niederlassen der Umhüllung durch den Großherzog, seiner Bestimmung übergeben. Besonders zu erwähnen wäre noch, das opulente Festmahl im Gasthaus des “Einhorn“. Die Original-  Speisekarte befindet sich im Heimatmuseum.

 

Das Denkmal wurde 1938 seiner Kunstteile beraubt und musste mehrmals den Standort wechseln

Im Jahre 1938, zur 600- Jahr- Feier der Stadterhebung war es geplant, ein Denkmal für die Gefallenen des 1. Weltkrieges, zu errichten. Trotz Widerstand in der Bevölkerung, ließen sich die Nationalsozialisten von niemanden abhalten, die für die Rüstungsindustrie benötigten Rohstoffe, alles auffindbare und verwertbare Buntmetall, einzuschmelzen.

So holte man in Philippsburg fast alle Kirchenglocken vom  Kirchturmturm und das Denkmal verlor seine großen Bronzeteile, damit die Schmelzöfen genügend Nachschub für die Rüstungsindustrie liefern konnten.  Von dem einst so prachtvollen Denkmal blieb nur ein trauriger Torso übrig.  Als Ersatz für die Kaiserkrone erhielt das demolierte Monument eine Kugel, ohne symbolischen Wert.  Zu aller letzt  musste der klägliche Rest noch versetzt werden, um dem neuen Denkmal Platz zu machen. Das so genannte “Adlerdenkmal“ wurde 1938 mit großem Pomp eingeweiht und der traurige Torso des “Krieger- und Salmdenkmals“ musste auf den Platz des jetzigen Kugeldenkmals weichen. Im 2. Weltkrieg wurde der Torso im Jahr 1945 durch Fliegergranaten getroffen und beschädigt.

 

Als im Jahr 1958 der “Marktbrunnen“ errichtet werden sollte, der von Senator Dr. Franz Burda gestiftet wurde, ging erneuet ein Denkmalrücken um. Das “Kugeldenkmal“ wurde an die Stelle des “Krieger- und Salmdenkmals“ versetzt, damit der “Marktbrunnen“ seinen Platz vor der Kirche einnehmen konnte. Das für die nochmalige Umsetzung auserkorene Objekt musste nun auf den Friedhof. “Weitab vom Mittelpunkt der Stadt, in einer stillen Friedhofsecke, dicht umwachsen von grünen Fichten, als ob die Philippsburger sich ihrer Geschichte schämen müssten“, vermerkte Dr. Rudolf Futterer in einer Denkschrift von1999 über das Denkmal.

 

Am 11.Juni 1999, genau nach 100 Jahre der Errichtung des Denkmals, wurde vom “Club Rheingraf von Salm e.V.“, dem “Heimverein Philippsburg“ und der Stadt,  dem Denkmal nochmals besonders gedacht. Zur Erinnerung an die Vergangenheit, wurde mit einer Bronzetafel zum Ausdruck gebracht, welche leidvolle Zeit der Torso hinter sich hat. Das Ehrenmitglied des Clubs, der bereits verstorbene Dr. Rudolf Futterer und der damalige Bürgermeister Jürgen Schmitt, nahmen die Ansprachen vor.

 

Die mahnende Inschrift lautet:  

 
   
   
Möge dieses seiner Kunst beraubte Krieger und Salm Denkmal aus dem Jahre 1899 zur Erinnerung an leidvolle Vergangenheit uns allen heute Mahnung zu Frieden und Völkerverständigung bedeuten

Das Denkmal hätte einen besseren Platz verdient, aber so fragt man sich, wo könnte ein solcher Platz ausgemacht werden? Dabei ist zu berücksichtigen, dass das Denkmal schon zum zweiten Mal seinen Standort  gewechselt hatte. Es liegt an uns, ob wir dem Denkmal soviel Aufmerksamkeit schenken, wie es in seiner leidvollen Vergangenheit verdient hätte.

Text und Foto: Geza Milvich