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Der Trommler von Philippsburg





Jubiläumsjahr 1973

Vor 350 Jahren wurde Udenheim in Philippsburg umbenannt und zur Festung ausgebaut
Auf den Tag genau vor 350 Jahren, am 1. Mai 1623, verkündigte der damalige Fürstbischof Philipp Christoph von Sötern (1567-1652), dass die fürstbischöfliche Residenz Udenheim in eine Realfestung ausgebaut worden war und von Udenheim in Philippsburg umbenannt wurde. Dieses Ereignis nahm der Senator Dr. Franz Burda, Ehrenbürger von Philippsburg, zum Anlass, um seiner Geburts- und Heimatstadt Philippsburg ein besonderes Geschenk zu machen. Als Kenner der Geschichte von Philippsburg war es ihm ein besonderes Anliegen, auf diese ereignisreiche, leidvolle Zeit hinzuweisen und übergab am 1. Mai 1973 der Bevölkerung  das von Willi Klein geschaffene Denkmal  “Der Trommler von Philippsburg“.

Historisches zum Denkmal
Fürstbischof Philipp Christoph von Sötern

Am 30. Mai 1609 wurde Philipp Christoph von Sötern vom Speyerer Domkapitel als Koadjuktor und am 10.Oktober 1610 als Bischof von Speyer gewählt.  Am 12. August 1612 erfolgte die Priester- und am 13./15. August 1612 die Bischofsweihe in der Schloßkirche zu Udenheim. Der Fürstbischof erkannte schon früh, dass es im Deutschen Reich wegen den unüberbrückbaren Gegensätzen zwischen dem Katholizismus (Liga) und dem Protestantismus (Union) zur offenen Auseinandersetzung kommen musste. So begann er im Jahr 1615 seine Residenz Udenheim zu einer Realfestung auszubauen, damit unweit von Speyer ein sicherer Zufluchtsort vorhanden war. Als in Böhmen der Kaiser durch sein Vorgehen gegen die aufständigen protestantischen Böhmen (Prager Fenstersturz) im Jahr 1618 eine Revolte auslöste, war dies der Beginn zum 30-Jährigen Krieg.

Am 1. Mai 1623, nach der Fertigstellung  der Festung, wollte der Fürstbischof Philipp Christoph von Sötern  durch einen besonderen feierlichen Akt sicherstellen, dass dieses Ereignis für alle Zeiten in Erinnerung gehalten werde. Zur Umtaufe übergab er die Festung unter dem Schirm seines Namens und des Namenspatrons des Apostels Philipp. Zum Gedenken an dieses Ereignis ließ er einfache und doppelte Reichstaler prägen und spendierte Wein und Brot an die Bürger und Soldaten. Auf der Rückseite der Taler  ist der Name des  Patrons “Philipps Patronus Udenheimensis“ eingeprägt.


Der erste Festungskommandant von Philippsburg Obristleutnant Caspar Bamberger

Der Obristleutnant Kaspar Bamberger wurde im Jahr 1624 erster Festungskommandant in der Festung Philippsburg. Der Fürstbischof hatte ihn damit betraut, dass er alles in die Wege leiten solle, um die Festung verteidigen zu können. Dazu brauchte er Soldaten. Um die nötige Aufmerksamkeit bei den Burschen zu wecken, wurde ein prachtvoll ausgestatteter Trommler ausgesandt, der die Aufgabe des Werbers wahrzunehmen hatte.

Diese Zeit hatte kein geringerer als der deutsche Schriftsteller Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen in seinem Roman “Der abenteuerliche Simplicissimus“ festgehalten (2. Auflage v.1669). Es wurde  geschildert, welche Erlebnisse Simplicissimus in der kaiserlichen Festung hatte und wie groß die Not in der Festung  Philippsburg für alle war. Letztlich wurde Simplicissimus in Soldatenkleider gesteckt und er musste für den Obristen Bamberger trommeln, denn der Festungskommandant brauchte Soldaten. Als es ihm erlaubt wurde vor den Toren nach Kräutern und Wurzeln zu suchen, konnte er entfliehen.

Der Fürstbischof wollte sein katholisches Gebiet aus den kriegerischen Auseinandersetzungen heraus halten und suchte Schutz bei der französischen Krone, da sich die protestantischen Nachbarfürsten der Union angeschlossen hatten. Dies versuchte der Festungskommandant zu unterbinden und unterstellte die Festung Philippsburg dem Kaiser und Reich. Der Schriftwechsel mit dem kaiserlichen General Graf Aldringen verdeutlichte die Haltung des Festungskommandanten.


Stadtrechtsverleihung 1338

Dieses Ränkespiel wurde zum Anlass genommen, zum Jubiläum der 600-jährigen Stadtrechtsverleihung (1938), die Idee der Romanfigur des Simplicissimus und die Geschehnisse während des 30-Jährigen Krieges in Philippsburg durch das Festspiel  “Der Trommler von Philippsburg“ von H.P. Moll aufzugreifen und an den Festtagen mit großem Aufwand auf dem Marktplatz aufzuführen. Das Spektakel wirkte bei der Bevölkerung noch lange nach. Vor allem die Figur des Trommlers beeindruckte die Zuschauer. Hierzu schuf der Bruchsaler Bildhauer Willi Klein eine Vorlage zum „Trommler von Philippsburg“. Die Ausstaffierung des Trommlers in Landsknechtmanier war besonders eindrucksvoll und prägte sich bei der Bevölkerung symbolisch für die lange Festungszeit ein. Diese Idee wurde später auch für die verschiedensten Anlässen bei Vereinsjubiläen verwertet.


Der Ehrenpreis “Trommler von Philippsburg“ der KAGE Narhalla

Im Jahr 1973 feierte die Karnevalsgesellschaft “Narhalla“ ihr 9 x11- jähriges Jubiläum und seit 1969 wird alljährlich der Ehrenpreis “Philippsburger Trommler“ an verdiente Persönlichkeiten in Form einer Holzfigur verliehen. 1970 erhielt Senator Dr. Franz Burda selbst den Trommler-Preis und vielleicht inspirierte ihn die Figur, den Trommler als großes Denkmal an seine Heimatstadt zu schenken. Zwischenzeitlich ist die Verleihung des Ehrenpreises als “Hermann-Siegel-Gedächtnispreis“, dem  “Philippsburger Trommler“, über alle Landesgrenzen bekannt und zum Höhepunkt in der Philippsburger Fasenacht geworden.


Der Auftraggeber des Denkmals

Der Mäzen Senator Dr. Franz Burda beauftragte im Jahr 1972 den Bruchsaler Bildhauer Willi Klein eine überlebensgroße Figur des Trommlers, einem kaiserlichen Soldaten mit einer Landsknechttrommel, Säbel, einen großkrempigen Hut mit Federn und Bändern, als Standbild zu schaffen und in Bronze gießen zu lassen. Das Denkmal erhielt einen Sockel aus grauem Granit und einen zweistufigen Unterbau. Auf der Vorderseite des Sockels ein Schriftzug mit Bronzebuchstaben “Der Trommler von Philippsburg“. Seitlich je ein Wappenschild in Bronze der Stadt Philippsburg und der Reichsfestung. Auf der Rückseite ein Bronzerelief mit dem Festungsstern von Philippsburg aus dem Jahr 1623 von Mathäus Merian und ein Schriftzug mit dem Hinweis, dass das Denkmal von Dr. Franz Burda gestiftet worden ist. Das Denkmal fand seinen Platz im Mittelpunkt der neu geschaffenen Senator Dr. Franz Burda-Anlage.

Nur mit der Idee, dass der Trommler das  Kriegshandwerk idealisierte und verherrlichte, konnte sich Dr. Franz Burda nicht anfreunden und an Stelle dessen, wurde der Trommler zu einer Figur umfunktioniert, die für den Frieden trommeln soll. So wollte sich auch Dr. Franz Burda verstanden wissen, als er die Figur am 1. Mai 1973 enthüllte. Die Stadt Philippsburg wollte auch an die  Ereignisse von 1623 erinnern und ließ deshalb den Gedenktaler nachprägen.


Quellen
 

  • Philippsburger Stadtanzeiger, Jahrgang 1973
  • Festschrift zum Jubiläum “99 x Philippsburger Fasenacht“,  KAGE Narhalla, 1973“
  • Festschrift, “Sechshundert Jahre Stadt und ehemalige Reichsfestung Philippsburg, 1938“
  • Festbuch, 1200 Jahre Philippsburg, Stadt Philippsburg, 1984
  • Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen,  “Der abenteuerliche Simplicissimus“
  • Remling, “Die Bischöfe von Speyer“
  • Prof. Dr. Harster, “Orginalbericht des Kommandanten des bischöflich speirischschen Festung Philippsburg Obristleutenants
  • Kaspar Baumberger an den kaiserlichen General Grafen Aldringen v. 13.Juli 1633“
  • Erhard Petrzilka, “Philippsburger Münzen und Medallien“
  • Aufzeichnungen, Club Reingraf von Salm, 1. Band
  • Eigene Aufzeichnungen und Alben


Text und Foto: Geza Milvich